Nackenschmerzen der Psyche

Fast die Hälfte der Deutschen leiden unter Nackenschmerzen, wobei ältere Menschen stärker betroffen sind.1 Viele wissen oder ahnen, dass ihre Nacken- und Schulterschmerzen nicht nur körperliche Ursachen haben können, sondern ein Zusammenhang mit Stress, Sorgen oder Erwartungen, bestehen kann, die sprichwörtlich auf den Schultern lasten. Wir erläutern, was man tun kann, um den Kreislauf aus Anspannung, Verspannung und Schmerz zu durchbrechen

Was sind psychische Nackenschmerzen?

Psychische Nackenschmerzen entstehen, wenn seelische Belastungen körperliche Reaktionen auslösen. Meist treten sie in Verbindung mit Stress, Angst oder Depressionen auf. Dabei verspannen sich die Muskeln im Nacken- und Schulterbereich, was zu Schmerzen führen kann. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Vagusnerv, der an der Regulation von Entspannung und Erholung beteiligt ist. Gerät seine Funktion durch anhaltenden Stress aus dem Gleichgewicht, kann die Muskelanspannung im Bereich der Halswirbelsäule zunehmen und bestehende Schmerzen verstärken.

Wer ist häufig von Nackenschmerzen betroffen?

Nackenschmerzen betreffen Menschen aller Altersgruppen. Frauen sind laut mehreren Studien häufiger betroffen als Männer. Auffällig ist, dass Nacken- und Schulterbeschwerden nicht nur bei Erwachsenen, sondern bereits bei Schulkindern und Jugendlichen auftreten. Je nach Land berichten zwischen 11 % und 45 % der jungen Menschen über entsprechende Schmerzen. Beschwerden im Kindes- und Jugendalter können das Risiko erhöhen, später erneut ähnliche Schmerzen zu entwickeln.2

Welche psychischen Faktoren können Nackenschmerzen begünstigen?

Nackenschmerzen entstehen, genauso wie Kopfschmerzen, selten nur durch körperliche Ursachen wie eine ungünstige Kopfhaltung oder intensive Smartphone-Nutzung. Oft wirken muskuläre Verspannungen und seelische Belastungen zusammen und beeinflussen sich gegenseitig: Stress, Sorgen oder negative Gedanken können bestehende Beschwerden verstärken oder deren Abklingen beeinträchtigen. Umgekehrt führen anhaltende Schmerzen oft zu innerer Anspannung und psychischem Druck – ein Kreislauf, der die Beschwerden aufrechterhält. Psychische Nackenschmerzen können folgende Ursachen haben3:

Chronischer Stress

Dauerhafte Belastung erhöht die Muskelspannung und begünstigt Schmerzchronifizierung.

Angst und Depression

Wirken wechselseitig mit Schmerzen zusammen und können deren Intensität steigern.

Katastrophisierende Gedanken

Wer Schmerzen als bedrohlich oder unkontrollierbar erlebt, empfindet sie stärker.

Angst-Vermeidungsverhalten

Aus Angst vor Schmerz werden Bewegungen vermieden – was die Muskulatur zusätzlich schwächt.

Burnout und emotionale Erschöpfung

Langanhaltende Überforderung führt zu Anspannung und Energieverlust.

Geringe Selbstwirksamkeit

Wenn Betroffene nicht daran glauben, ihre Schmerzen beeinflussen zu können, fällt aktive Bewältigung schwerer.

Niedrige Schmerzakzeptanz

Der innere Widerstand gegen den Schmerz kostet Kraft und verstärkt das Leidensgefühl.

Fehlende soziale Unterstützung

Mangelnder Rückhalt im Umfeld kann Stress erhöhen und die Wahrnehmung von Schmerzen verschärfen.

Welche Symptome deuten auf Nackenschmerzen psychosomatischer Art hin?

Beschwerden im Nackenbereich können viele Ursachen haben und sollten zunächst immer ärztlich abgeklärt werden, um Erkrankungen wie Bandscheibenprobleme oder Muskelverletzungen auszuschließen. Wenn jedoch keine eindeutige körperliche Ursache gefunden wird oder sich die Beschwerden besonders in stressigen oder belastenden Lebensphasen verstärken und in Ruhephasen nachlassen, kann eine seelische Mitbeteiligung vorliegen.

Typische körperliche Symptome

  • Beidseitige, diffuse Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich
  • Druck- oder Spannungsschmerz, der sich bei Stress verstärkt
  • Schmerzen, die ohne klare körperliche Ursache auftreten oder länger anhalten
  • Häufige Kopfschmerzen oder ein dumpfes Druckgefühl im Hinterkopf
  • Muskelverhärtungen ohne strukturelle Schädigung
  • Schlafprobleme durch muskuläre Anspannung
  • Allgemeine Unruhe oder Erschöpfungsgefühl

Häufige psychische Symptome

  • Innere Unruhe, Reizbarkeit und Konzentrationsprobleme
  • Grübeln, Sorgen oder das Gefühl, den Alltag nicht mehr bewältigen zu können
  • Angst, Überforderung und Stimmungsschwankungen
  • Erschöpfung und innere Anspannung
  • Rückzug aus sozialen Kontakten oder Vermeidungsverhalten
  • Verstärkung der Nackenschmerzen durch Stress oder emotionale Belastung

Wer kann psychisch bedingte Nackenschmerzen diagnostizieren?

Ob Nackenschmerzen seelisch mitbedingt sind, lässt sich nur durch eine sorgfältige Abklärung feststellen. Zunächst sollte immer ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden, um Ursachen wie Muskelverletzungen, Bandscheibenprobleme oder Fehlhaltungen auszuschließen. Dazu ist eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls bildgebende Verfahren wie Röntgen oder MRT notwendig.

Wenn keine eindeutige körperliche Ursache vorliegt, können psychische Faktoren eine Rolle spielen. In diesem Fall kann man sich an Fachärzte für Psychosomatische Medizin, Psychotherapeuten oder Schmerztherapeuten wenden. Im Gespräch, mithilfe von Fragebögen oder dem Führen eines Schmerztagebuchs, kann ermittelt werden, ob und inwiefern emotionale Belastungen die Beschwerden beeinflussen.

Welche Therapien können bei Verspannungen und Schmerzen im Nacken helfen?

Chronische Nackenschmerzen lassen sich am besten behandeln, wenn Körper und Psyche gleichermaßen berücksichtigt werden. Eine Kombination aus Bewegung, Entspannung und psychotherapeutischen Ansätzen kann helfen, Beschwerden zu lindern und diesen längerfristig vorzubeugen. Die Therapien sollten auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmt werden.

Übungen zur Entspannung der Schultern und des Nackens

Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelrelaxation oder Autogenes Training helfen, die Muskulatur gezielt zu lockern. Auch Meditation oder Achtsamkeitsübungen können innere Ruhe fördern und die Körperwahrnehmung verbessern. Yoga unterstützt mit sanften Dehnungen und Atemübungen zusätzlich die Entspannung. Auch Qigong und Tai Chi können Betroffenen von Nackenschmerzen, die von der Psyche kommen, dabei helfen, zu entspannen. Wichtig ist regelmäßiges Üben, um die Beschwerden zu lindern.4

Bewegung lindert körperliche und psychische Symptome

Regelmäßige Bewegung hilft, Verspannungen zu lösen, die Muskulatur zu stärken und Stress abzubauen. Schon kurze Bewegungspausen im Alltag fördern die Durchblutung und eine bessere Haltung. Wichtig ist, eine Bewegungsform zu wählen, die Freude bereitet und keinen zusätzlichen Druck erzeugt. Besonders leicht lassen sich Spazierengehen, Walken, Joggen, Radfahren oder Tanzen in den Alltag integrieren. Wer gleichzeitig etwas für seine Stimmung tun möchte, ist gemeinsam mit Freunden aktiv oder schließt sich einer Gruppe an. So kann man Grübeln effektiv reduzieren.

Physiotherapie gegen die Schmerzen

Gezielte physiotherapeutische Behandlungen können helfen, verspannte Muskeln zu lösen und die Beweglichkeit zu verbessern. Dazu gehören manuelle Techniken, Massage, Anwendungen mit Wärme oder Mobilisation der Wirbelsäule. Unter Anleitung lernen Menschen mit Beschwerden an der Halswirbelsäule Übungen für den Alltag, um Fehlhaltungen, die z. B. durch langes Sitzen verursacht werden, auszugleichen. Regelmäßiges Dehnen hilft überdies bei erhöhter Spannung in den Muskeln und kann die Beweglichkeit verbessern.

Therapien bei psychischen Belastungen

Wenn Stress, Sorgen, Überforderung etc. Schmerzen verstärken, kann eine psychotherapeutische Begleitung sinnvoll sein. Psychotherapeuten, Achtsamkeitstherapeuten und Schmerztherapeuten können Betroffenen mit Verfahren zur Stressbewältigung, Achtsamkeitsübungen und Techniken im Umgang mit negativen Gedanken helfen, sodass sie besser mit Schmerz umgehen und ihre Anspannung regulieren können.

Was kann man bei psychosomatischen Nackenschmerzen selbst tun?

Wer unter wiederkehrenden oder chronischen Nackenschmerzen leidet, die durch die Psyche beeinflusst werden, kann selbst einiges tun, um die Beschwerden zu lindern. Entscheidend ist es, den Alltag so zu gestalten, dass Körper und Seele regelmäßig zur Ruhe kommen:

Bewegung in den Alltag einbauen

Kurze Bewegungspausen, Spaziergänge oder sanftes Dehnen der Nackenmuskulatur lockern Verspannungen und fördern die Durchblutung.

Entspannung lernen

Atemübungen, Achtsamkeit oder Progressive Muskelentspannung helfen, Stress abzubauen und Anspannung zu lösen.

Arbeitsplatz ergonomisch gestalten

Ein gut eingestellter Stuhl, richtiger Bildschirmabstand und regelmäßiges Aufstehen beugen Fehlhaltungen vor.

Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit ziehen

Wer bewusst Pausen einhält und Erholung zulässt, stärkt seine Widerstandskraft gegenüber Stress.

Selbstfürsorge im Blick behalten

Ausreichender Schlaf, soziale Kontakte und kleine Auszeiten fördern das körperliche und seelische Gleichgewicht.

Nackenschmerzen Psyche: Was tun, wenn ambulante Behandlungen nicht helfen?

Wenn sich Nackenschmerzen trotz ambulanter Behandlungen nicht bessern, kann eine stationäre oder teilstationäre Rehabilitation sinnvoll sein. In spezialisierten Rehazentren können körperliche und psychische Ursachen mit speziellen Rehabilitationsverfahren, z. B. der verhaltensmedizinisch orientierten Rehabilitation (VOR), gut behandelt werden. Sie kombiniert medizinische, physiotherapeutische und psychotherapeutische Maßnahmen, um die Beschwerden zu lindern und den Umgang mit Stress und Schmerz zu verbessern.

Häufige Fragen zu psychischen Nackenschmerzen

Ab wann sollte man mit Nackenschmerzen zum Arzt?

Nicht alle Nacken- und Rückenschmerzen sind harmlos oder seelisch bedingt. In den meisten Fällen lassen sie sich zwar durch Bewegung, Entspannung oder eine bessere Haltung bessern, doch manchmal steckt eine ernsthafte Erkrankung dahinter. Suchen Sie unbedingt ärztliche Hilfe, wenn zusätzlich eines oder mehrere der folgenden Warnzeichen auftreten:

  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln in Armen oder Beinen
  • Fieber oder unerklärlicher Gewichtsverlust
  • Nachtschweiß oder starke nächtliche Schmerzen
  • Schwindel, Verwirrtheit oder Sehstörungen
  • Atemnot oder Brustschmerzen

Solche Symptome sollten immer ärztlich abgeklärt werden, da sie auf körperliche Ursachen wie Nervenreizungen, Entzündungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen hinweisen können. Eine frühzeitige Untersuchung hilft, ernsthafte Erkrankungen auszuschließen und die passende Behandlung einzuleiten.

Warum ist es wichtig, psychische Nackenschmerzen zu behandeln?

Nackenverspannungen, die durch die Psyche verstärkt werden, verschwinden meist nicht von allein. Ohne Behandlung können sich Verspannungen verstärken und chronisch werden sowie Beschwerden in den Schultern und im Rücken verursachen und so die Beweglichkeit zunehmend einschränken. Studien zeigen, dass Nacken- und Rückenschmerzen mit dem Alter häufiger auftreten und an Intensität zunehmen.5 Eine frühzeitige Behandlung ist wichtig, um einer Chronifizierung vorzubeugen und Lebensqualität zu erhalten.

Wie unterscheiden sich psychische von körperlich bedingten Nackenschmerzen?

Psychisch bedingte Nackenschmerzen treten meist in Zeiten von Stress, Sorgen oder innerer Anspannung auf. Typisch ist, dass sie sich in Ruhephasen bessern und bei emotionaler Belastung wieder zunehmen. Die Beschwerden zeigen sich meist als diffuser Druck oder anhaltende Spannung, ohne dass sich eine eindeutige körperliche Ursache finden lässt. Häufig kommen Begleitsymptome wie Müdigkeit, Reizbarkeit oder Erschöpfung hinzu.

Körperlich bedingte Nackenschmerzen haben dagegen meist klare Auslöser, etwa Verletzungen der Wirbelsäule, Muskelverspannungen durch falsche Haltung oder altersbedingte Abnutzungserscheinungen. Sie sind in der Regel besser lokalisierbar und stehen weniger in Zusammenhang mit dem seelischen Befinden.

Können psychische Nacken- oder Schulterschmerzen chronisch werden?

Ja, psychisch bedingte Nacken- und Schulterschmerzen können chronisch werden. Bleiben sie unbehandelt, kann ein Teufelskreis aus Schmerz, Anspannung und Stress entstehen.

  • Der Schmerz selbst wird zur Belastung, was die muskuläre Verspannung weiter verstärkt.
  • Viele Betroffene reagieren mit Schonhaltung oder vermeiden Bewegungen aus Angst vor neuen Schmerzen – was die Beschwerden langfristig verschlimmern kann.
  • Mit der Zeit verändert sich auch die Schmerzverarbeitung im Gehirn: Es reagiert empfindlicher auf Reize, und Schmerzen werden schneller oder intensiver wahrgenommen. So können Beschwerden bestehen bleiben, selbst wenn die ursprüngliche Ursache längst abgeklungen ist.

Eine frühzeitige Behandlung hilft, Leiden zu lindern, den Kreislauf zu durchbrechen und das Risiko einer Chronifizierung zu reduzieren.

Quellen: 

1 Robert Koch-Institut: “Journal of Health Monitoring. Prävalenz von Rücken- und Nackenschmerzen in Deutschland“, März 2021, https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Journal-of-Health-Monitoring/GBEDownloadsJ/JoHM_S3_2021_Rueckenschmerz_Nackenschmerz.pdf?__blob=publicationFile&v=2  (Letzter Zugriff: 10.10.2025)

2 Jedlicka, F. C. , Guelen, E. , Fehrmann, E.: „Psychosoziales Wohlbefinden und mögliche Wechselwirkungen mit Nacken- und Schulterbeschwerden”, In Manuelle Medizin, 1/2024, https://www.springermedizin.de/nackenschmerzen/angst/psychosoziales-wohlbefinden-und-moegliche-wechselwirkungen-mit-n/26609692 (Letzter Zugriff: 10.10.2025)

3 Ebenda

4 AOK.de: „Wie helfen Entspannungsverfahren bei Schmerzen?“, 03.08.2021, https://www.aok.de/pk/magazin/wohlbefinden/entspannung/wie-helfen-entspannungsverfahren-bei-schmerzen/ (Letzter Zugriff: 10.10.2025)

5 Robert Koch-Institut, a. a. O., S. 10